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June 30 2012

12:22

Google+ and the trend to curated results

It seems like the Google+ team is slowly coming around to engrossing its “automated but moderated” approach in a broader way. Previously, the rather exclusive “Instant Upload” feature pushed all the photos you took on your mobile devices into the cloudonto the moon and allowed you to selectively share and edit them from a nice interface inside of Google+.

Then, at Google I/O 2012, the Google+ History preview was made available to developers. In short, it’s a way for applications to push automated events into your own, personal history from which you then share selected events with your circles.

Right now, it only tracks some internal Google stuff:

A screenshot showing a couple of events from the Google+ history page

Google+ History

On Google I/O, as I gather, people already demonstrated other options for integrating things into Google+ history. (Fun fact: last.fm still doesn’t do open graph with Facebook.)

And if you visit someone’s profile on Google+ with the history enabled, you find the following screenshot, offering you to have a look at music, places, reviews, comments, reservations and purchases. There’s no way to specifically add anything, I’ve tried fiddling with places, reviews and comments; I tried sharing one of my ‘bought’ (installed) apps to the stream, but the moments page doesn’t update (yet — 2012-06-30).

Screenshot of the "moments" developer section of a Google+ profile

But this is a very good indication of where Google is heading: curated results.

Google has always been pretty straight on what their goals were: increasing the value of human/machine interaction. After the expansion from being a quite pure search engine/geek tech joint, this has also –due to transitivity– lead to increasing the quality of human/human interaction.

What this has lead to is that all the services strive to give you the best results possible for what you are asking for. Google+, as a tool, leverages the opinions of people that interest you as another factor. Thus far, this has mostly been limited to the effect of +1s: with personal search results, you’d rather happen upon stuff other people recommend as useful reading — or which they may even have wrote themselves — for a topic.

This is about to change, I’d presume. The “moments” tab, despite being a good stalking tool when it actually becomes usable, is also a recommendation frontend. It will show you what other people like to do, where they like to go, when they like to go (gleamed from the “reservations” tab, which will probably interface with the OpenTable integration in Google Local), etc.

That’s a pretty big step. Along with the newly introduced Google Now, just imagine how interesting it suddenly gets when Google Now knows you haven’t got plans for dinner — okay, this will probably scare people. Nevermind. Let’s assume it doesn’t, and then it comes along saying, thanks to Google+ integration: “Hey, you really like yourself some burger joints, Tobias does too — and he enjoys going to Culux, which is similar in taste! Would you like to book a table? Or ask Tobias if he’d share his reservation?”

Well, this is an extreme example, and, from a privacy point of view, it’s downright scary. But it does offer up a probable view of where Google is trying to get to. And, hey, if you can throw in a little advertisement — “Tobias and you should really check out this great burger deal at $someotherplace” — and know it will hit true, that’s a good increase in market value, too, isn’t it?

flattr this!

July 10 2011

13:14

Running around in circles

Google+ ist jetzt ein paar Tage draußen und ich muss auch mal etwas Senf dazu ablassen. Nicht über das Netzwerk an und für sich oder irgendwelche Erfolgsprognosen gegen Facebook oder Datenschutzbedenken oder sonst irgendwas.

Sondern über eines der Features. Nein, nicht das hervorragende Hangout oder das umstrittende Huddle, sondern das definierende Feature: Circles.

Im Prinzip sind die nämlich ziemlich cool. Man kann unilateral festlegen, wie man Kontakte gruppieren will, mit einem sehr einfachen UI zum sowohl Festlegen der Gruppe als auch des Auswählen der Zielkreise beim Verfassen von Beiträgen.

Das Problem ist nur, wenn man dies dann mal tatsächlich praktisch angehen will. Ich habe mich nämlich schon immer extrem schwer getan, Kontakte zu gruppieren. Als Beispiel bringe ich meinen IM heran, wo ich früher notiert habe, woher ich Leute eigentlich kannte, um sie in einen Kontext zu stecken.

Das hat sich dann mit einer Weile auch überholt, vor allem wegen Überschneidungen. Also habe ich dann irgendwann einfach umgesattelt auf geocoding:

Meine Kontaktliste, eingeklappt.

Dies hat den Vorteil, daß zum einen das Management der Gruppen recht einfach ist (da Leute nicht dauernd umziehen), und es niemanden in eine unnötige Schublade steckt. Außerdem hat man natürlich den praktischen Vorteil, leicht jemanden aus einer gewissen Gegend zum ansprechen zu finden, sollte es nötig sein.

Das könnte ich jetzt auch bei Google+ machen, aber es würde ziemlich wenig bringen.

Warum? Die Kommunikation ist natürlich anders. Bei Google+ sende ich, ähnlich wie auf Twitter und FB, an viele Personen gleichzeitig.

Was ich also bei G+ brauche ist keine Sortierkategorie, sondern eine Empfangskategorie. Ich will nicht wissen, wo wer zugehörig ist, sondern ob es die Person tangiert (oder zu tangieren hat), was ich schreibe.

Und das ist eigentlich ein ziemliches Problem, wenn man so mal drüber nachdenkt.

Um Beispiele aus dem Leben zu greifen: ich bin letztens über ein Minecraft-Video gestolpert, welches einen 3D-Printer zeigt, der in MC gebaut wurde.

Naïv gesehen würde ich jetzt den Zirkel “Minecraft” (unter der Voraussetzung, daß dieser existiert) als Zielgruppe bestimmen und gut ist, oder?

Hier kommen wir aber leider in eine von Menschen gern unterschätzte Problematik: die eigene Ignoranz.

Ich wüsste sofort, wen ich alles in diesen Minecraft-Zirkel stecken muss. Und das ist das Problem — ich glaub, daß ich weiß, wer von meinem erweiterten Bekanntenkreis alles Minecraft spielt. Dabei ist das für hinreichend große Kreise ausserhalb einer engen Gruppe von Freunde ziemlich schwer.

Ich könnte jetzt hier wieder mit der monkeysphere kommen, aber im Prinzip ist es einfach ein Skalierungsproblem. Unabhängig von pseudowissenschaftlichen Nummern wird es einfach verdammt schwer, zu verfolgen, wer im eigenen Bekanntenkreis alles welche Interessen hat. Oder, noch schlimmer, mal hatte, und zwar nicht mehr daran interessiert ist, aber trotzdem eine fundierte Meinung dazu abgeben kann.

Und dann kommt noch oben drauf, daß es auch noch Leute, die einem folgen, gibt, deren Interessen ja gar nicht mal auf dem eigenen Schirm sind.

Eigentlich müsste man also sehr, sehr viel mehr implizit öffentlich teilen, weil man einfach selber nicht urteilen kann, ob es andere Leute angeht. Man selber müsste sich zu einem ungefilterten Output machen, wo andere den Filter drüberlegen.

Das geht natürlich dank der Zirkel in G+ wieder recht gut, aber zumindest mein eigenes Nutzungsverhalten des Dienstes sagt mir, dass ich selten explizit in Circles schaue, sondern eher grob den ganzen Stream überfliege und meinem Unbewussten die Filterarbeit überlasse.

Ein ähnliches Problem stellt sich auch bei Twitter ein, und — ohne mich jetzt da näher drauf eingelassen zu haben — dürfte es auch mit +Michael Seemanns Gedanken zur Filtersouveränität und Kontrollverlust teilweise einhergehen.

Auch nicht zu vergessen ist hier natürlich ein Datenschutz-Aspekt über das Privathalten von Informationen über einen selbst, aber das ist ein ganz anderer Themenkomplex. Und im Rahmen meiner Argumentation ist es auch nicht sonderlich zutreffend, da man immerhin (rein von der Mechanik her) ziemlich gute Kontrolle darüber hat, wer letztendlich etwas zu sehen bekommt. [Cue “Google IST ein Advertisement-Anbieter und hat daher genau kein Interesse daran, erhobene Daten an andere zu verkaufen.”-Debatte.]

Im Endeffekt läuft es also darauf hinaus, daß man einfach kein “Interessen”-basiertes Filtern betreibt, da es nicht die Realität widerspiegelt.

Also bleibt natürlich nur die logische Schlußfolgerung: beziehungstechnisches Filtern. Man filtern nicht danach, wen es interessieren könnte, sondern wen es angeht. Und dies führt zu relativ interessanten Überlegungen.

Zum einen fällt hier natürlich sofort eine Zielgruppe auf, die bei den meisten Leuten “Freunde” heisst. Umschreiben könnte man sie mit “Gruppe von Menschen, mit denen ich mein (Privat)leben teile.”

Ebenso fallen dann natürlich weitere Kreise auf, zum Beispiel “Kollegen”, “Verein xyz”, “Pokergruppe”, etc.

Die Frage, die sich dann natürlich schon so ein bischen auftut, gerade mit dem Fokus auf das Teilen, ist der Bedarf eines social network an dieser Stelle.

Wo wir hier ankommen ist im gewissen Sinne auch ein bisschen Entfremdung von dem Gedanken, daß man sich immer intensiv und persönlich mit Leuten beschäftigt, wobei unfreiwillig gerne mal Bekannte, die zu einem Zeitpunkt t nicht in “informationstechnischer Kontingenz” waren, unter den Schirm fallen.

Was ich damit meine ist das, was viele Leute bestimmt kennen: Ein Satz der Form “Habe ich Dir das nicht erzählt?” — denn nein, man war gerade nicht zufällig erreichbar, als diese Person das all zu sehr beschäftigte, und als dies dann aus dem unmittelbaren Aufmerksamkeitsfokus fiel, vergaß man auch, jemanden nachträglich zu informieren.

Denn mal ehrlich, wer führt irgendwelche Listen, wo er notiert, ob er Faktum x and Person y weitergeben hat.

Also hier: Zirkel. Raushauen und jeder, den man meint, der es interessiert, hat Zugriff auf diese Information, selbst wenn es vielleicht in den Filtern auf Empfängerseite kleben bleibt — aber man selber hat seine soziale “Schuldigkeit” getan.

Man sollte jetzt meinen, daß diese Verfahren schon existieren, aber meist tun sie das eben nicht. Facebook hatte die Chance dazu, sowas zu machen, haben es aber verhunzt, indem sie Bilateralität voraussetzen und das Interface verhunzt haben.

Und Bilaterilatät ist hier echt schädlich. Ich habe da aus persönlicher Erfahrung im IRC gemerkt, daß ebenjene Bilateralität in Bekanntenkreisen nicht gegeben ist, und da gerade bei synchroner Kommunikation über “Chaträume”, z.B., es einfach irgendwann darauf hinausläuft, daß jeder seinen eigenen “Zirkel” aufmacht und alle Leute einlädt, mit denen er klarkommt — und keiner der Leute drin ist, die er einfach nicht leiden kann.

Das Problem hierbei ist wieder die Informationsduplikation. Man will nicht hingehen und in jedem einzelnen Channel alles nochmal neu schreiben, um eventuell Leute, die nicht im eigenen ‘Stammkanal’ x sein können, zu erreichen.

Asynchron hätte Facebook dies schaffen können, aber sie setzen Bilateralität in ihren Gruppen voraus, was den ganzen Punkt irgendwie schwachsinnig macht.

Hier kommt dann also G+ ins Spiel. Es ist asynchron, aber unilateral — man selber bestimmt, wer etwas lesen kann — es gibt eine Implikation, dass jemand anderes es lesen muss, oder daß andere “gemeinsame Bekannte” es zugleich auch lesen müssen.

Und das ist ein gewaltiger Vorteil.

Was ich mir jetzt an dieser Stelle noch Wünsche ist die Erweiterung auf eine synchrone Kommunikationsmethode, die genau dies kann.

Man sollte jetzt meinen, daß sei schwer, aber nein, da hatte Google auch schon mal was gemacht, was man nur erweitern müsste, nämlich Wave. Die Gedanken dazu schreibe ich ein andernmal auf.

Ein kleiner Nachtrag, den ich mir weiter oben noch notiert hatte: natürlich gibt es einen Bedarf daran, daß man eine bekannte Interessengruppe nach eingaben zu etwas fragen will, zum Beispiel. Wenn es jetzt eine Frage zu politischen Themen ist, zum Beispiel, möchte ich nicht unbedingt, daß da Leute vom Stammtisch undifferenziert dazwischenreden, sondern nur Leute, auf deren politische Meinung ich Wert lege.

Und das erklärt auch schon den Punkt: hier ist eine implizite Annahme der Kompetenz, und in dem Sinne kein reines Interesse, sondern ein “trusted interest”, bei dem man der anderen Person vertraut, schlau zu sein. Also eine Gruppe, die sich über persönliche Beziehung definiert — und, auch, wieder unidirektional ist. Nur weil ich +Stephan Urbach seiner Meinung bei einigen politischen Dingen vertraue, heisst das nicht, dass er meine Meinung weiter werfen will als er mich kann.

Das wurde jetzt etwas ausschweifender als erwartet, aber hoffentlich gibt’s einen Denkanstoß, die eigene Vorgehensweise mal kritisch zu betrachten. Gegenmeinungen willkommen!

P.S.: Habe ich gerade eben versucht, G+ als globalen Personen-Identifier zu nutzen? Oh boy. Das wird spannend.

flattr this!


April 26 2010

10:22

Social Network-Kompetenz

Ich finde es ja persönlich immer wieder erstaunlich, daß Menschen sich darüber beschweren, daß Social Networks von der Datenschutzseite her problematisch sind.

Das sollte einen nicht überraschen, denn schließlich basieren sie darauf, daß man persönliche Daten an beliebige andere Nutzer freigibt. Anders wäre das nämlich eine sehr autistische Angelegenheit.

Von daher ist also eher die interessante Frage nicht, ob persönliche Daten in den Umlauf kommen, sondern wie weit. Die interessanten Grenzen hierbei sind:

  1. Die Sicherheit gegenüber anderen Nutzern.
  2. Die Sicherheit gegenüber Drittanbietern.

Und hier schneiden Netzwerke wie Facebook zum Beispiel nicht schlechter ab, weil sie schlechter gecodet sind oder ähnliches, sondern nur, weil sie zum einen eher freizügige Defaults haben, und zum anderen der gemeine Nutzer strunzdoof ist, was die Wahrung der eigenen Privatsphäre angeht.

Dazu, als illustratives Beispiel, sei ein Konzept genannt, was auf Facebook ganz groß ist, und daher logischerweise Tür und Tor öffnet für böswilligere Drittanbieter: Anwendungen.

Facebook erlaubt es nämlich, Anwendungen zu schreiben, ähnlich wie Anwendungen für den Rechner, nur, daß sie halt irgendwo im Internet laufen und nicht [so viel] auf den eigenen Rechner zugreifen — dafür aber auf die Facebook-Profile.

Ganz populär bei den absolut sinnlosesten Anwendungen überhaupt: FarmVille, von Zynga. Ein Zynga-Gründer gibt offen zu, daß er alles getan habe, um Umsatz zu bekommen, und auch heute finanziert sich Zynga durch Micropayments und großzügige Werbung mit Drittanbietern.

Also, um das mal kurz zu reiterieren: man gibt seine privaten Daten an eine Facebook-Anwendung von einem externen Anbieter, der selber weiter externe Partner hat, mit denen er Werbeverträge abschließt.

Und dann beschwert man sich darüber, daß die persönlichen Daten auf Touren gehen.

Dazu sei mal gesagt, daß es auf Facebook allein 80 Millionen Nutzer von FarmVille gibt — also nicht ganz die Bevölkerung von Deutschland. Allein von meinen Kontakten hat ein Viertel dieser Anwendung erlaubt, das Profil auszulesen. Sprich, in anderen Worten, ein ziemlich großer Datensatz.

Genau so setzt sich dann die generelle Inkompetenz fort. Es werden Daten in die Profile eingetragen, die dort eher nichts zu suchen haben. Die Leute überprüfen nicht, was ihre Privatsphäreneinstellung sind, und jeder auf der Welt kann demnach lesen, wenn sie in der Nacht davon reden, was sie für Schabernack veranstalten.

Aber man ist ja sozial. Und post-privacy kommt doch eh bald, oder? Ne? Jaja.

Veranlasst zu dem Post würde ich übrigens durch die Anleitung: Facebook privat auf ComputerBase [für diese Erwähnung fließen keine Werbeeinnahmen], als ich mir dachte “Das kann doch unnötig notwendig sein, es so dumm zu erklären!”, bis ich mir dachte: “Doch, eigentlich schon.”


December 04 2009

15:07

Worte machen Menschen zu Schafen

Über einen nicht öffentlichen Twitteraccount wurde dem Autor ein Link zu einem Zeit-Artikel zugespielt, der zum virtuellen Hervortreten der Halsschlagader zusammen mit Ausrufen von „Ihr dummen, dummen Schafe“ führte.

Man sollte den Artikel selber lesen, aber sinngemäß sagt er ungefähr das Folgende: „Social networks verschlingen Zeit und sind keine echten Freundschaften.“

ACH.

Wie sinnentleert muss man eigentlich sein, um je an sowas zu glauben? Natürlich ist niemand mein Freund, wenn ich auf einer Webseite zwei Klicks mache und dann darauf warte, daß jemand anders auch draufklickt. Egal, wie sehr ich mir das doch bitte einreden will.

Daß fast jeder Betreiber von Social Networks unnötigerweise die Nomenklatur „Freund“ benutzt, statt das Kind einfach beim Namen („Kontakt“) zu nennen, ist ja jetzt nun nicht gerade die Erkenntnis der Stunde, sondern meist der erste Kritikpunkt, den Leute anbringen, wenn sie einem SN überhaupt beitreten. Scheinbar vergessen die Meisten das wieder.

Und dann schlägt das typisch menschliche Suchtverhalten zu: wenn man etwas findet, was einem einfach kurzweiliger Unterhaltung bringt, ohne, daß man sich sonderlich dafür einsetzen muß, dann ist der Hang leicht, dem zu verfallen. Deswegen hängen Menschen vor’m Fernseher, deswegen verbringen Leute ihr Leben in MMORPGs (zzgl. anderer Faktoren), deswegen gibt es Leute, die Stundenlang Bücher lesen können, und so weiter und so fort.

Wenn man dann jetzt nun beim großen Zeitverschwender Facebook zu den Leuten gehört, die regelmäßig FarmVille, Mafia Wars und wie sie alle heißen zocken, dann ist das auch nichts anderes als eine persönliche Schwäche gegenüber dieser Beschäftigung. Früher war der Zugang schwerer, aber wenn man das außer Acht lässt wären dieselben Leute ein Kandidat für diverse Browserspiele wie OGame gewesen.

Um es nochmal zu wiederholen: SNs haben nichts mit Freunden zu tun. Die Hauptzwecke von SNs sind:

  • Triviale Kommunikation mit Kontakten
  • Selbstdarstellung
  • Analyse und Marketing
  • Zeitvertreib

Hinweis: diese Liste ist in ihrer Reihenfolge nicht gewichtet.

Triviale Kommunikation mit Kontakten

Es ist eigentlich ganz einfach, was solche SNs für die Kommunikation mit anderen Menschen bewirken: Kommunikation wird trivialer. Es wird viel einfacher, Gruppen von Leuten irgendwas mitzuteilen. Durch eine hinreichend breite Abdeckung wird sichergestellt, daß man sehr viele Leute, denen man etwas sagen will, auch leicht anschreibbar sind. Im Artikel wird dies auch erwähnt:

Wenn allerdings Thomas drei Zimmer weiter tagein, tagaus auf demselben Flur sitzt, könnte er auch einfach vier Schritte laufen, sollte er einen denn wirklich vermissen. Und Julia trifft man, wie vor Beginn der Netzwerk-Ära, alle zwei Jahre auf einer Party bei gemeinsamen Freunden.

Gerade der letzte Absatz stürzt den Autor vor die Frage, wie hirnentleert dieses Argument eigentlich ist. Warum sollte man sich drauf beschränken, jemanden alle zwei Jahre zu treffen, wenn es eine nicht wirklich anstrengende Möglichkeit gibt, häufiger mit den Leuten zu kommunizieren — außer man mag die Person nicht, wo man dann eh nicht mal auf das Treffen in zwei Jahren eine Vorfreude hat.

Zurück zum Argument: Wenn man nun einer verwaltbaren Gruppe von, z.B. acht Leuten irgendeine Information mitteilen will, wo man nicht unbedingt einen tiefgehenden Dialog anschlagen muß — zum Beispiel eine Einladung zu einer Party — warum sollte man dann nicht einen SN-Dienst nutzen können? Natürlich gibt es die Möglichkeit, alle Leute einzeln anzurufen, aber allein das Anrufen hat viele Nachteile:

  1. Es bindet die Zeit von beiden Beteiligten für einige Minuten.
  2. Der Angerufene wird vielleicht bei etwas gestört, wo er gar nicht gestört werden will.
  3. Der Angerufene hat vielleicht gar nicht mal Zeit, ranzugehen, und so verbringt man dann mehrere Wählversuche damit, auf ihn zu warten.
  4. Dies wiederholt sich für jeden Angerufenen.

Dann hat man natürlich die Option der e-Mail. Die, wiederum, setzt aber voraus, daß man allein von jeder Person, die man einladen will, überhaupt die Mailadresse überhaupt hat. Alternativ muss man umständlich entweder hingehen und diese erstmal herausfinden, oder jemand anderen beauftragen, die Einladung weiterzuleiten.

Und hier springen dann SNs in die Bresche, wo man eben nach dem Namen der Person in einer Gegend sucht, und dann anhand Photo mal schnell die Person findet. Voilà, Kontaktmöglichkeit geschaffen und man braucht nicht mal wirklich viel Zeit für.

Selbstdarstellung

Dieser Punkt sollte offensichtlich sein: Menschen haben einen Hang dazu, sich gerne selber zu präsentieren. Und es ist auch hier wieder eine simple „Zeitersparnis“, sozusagen, daß man nicht jedem Menschen einzeln irgendeine Geschichte erzählen, die Videos zeigen und so weiter muß. Hochladen, klick, fertig.

Analyse und Marketing

Dies ist jetzt kein wirklicher Nutzwert für den gemeinen Benutzer, aber es ist halt auch etwas, wofür es gebraucht wird, und darum sollte man sich keine falschen, optimistischen Trugbilder machen. Diese Plattformen werden genutzt, um das Kommunikationsverhalten zwischen Menschen zu analysieren, und das nicht unbedingt aus rein akademischen Interesse. Zusätzlich wird es (wenn auch amüsant ineffektiv) genutzt, um Produkte zu bewerben und Marketing einzustreuen. Man kann nur froh sein, daß die meisten Startups keine Ideen von Psychologie zu haben scheinen.

Zeitvertreib

Eigentlich schon oben abgedeckt. Man kann, je nach SN, sehr viel Zeit dadrin verbringen und einfach nichts tun — und man muß dafür nichts anderes tun als vor’m Rechner hocken. Selbst Filesharing ist komplizierter.

Fazit

Auf der Seite ausgestiegen.com gibt es tatsächlich recht viele sinnvolle Gründe, die angeben wurden als Grund, SNs zu verlassen. Die meisten davon lassen sich darauf zurückführen, daß es kein Vertrauen gegenüber Social Network-Betreibern gibt, welches man zurecht nachverfolgen kann, wenn man sich so Kaschemmen wie Holtzbrinck anschaut.

Amüsanterweise hat der Autor gerade einen Beitrag gesehen, der seiner Meinung entspricht:

Immer-Noch-Nutzer ist von Facebook am 04.12.2009 ausgestiegen, weil “Jeder Benutzer muss lernen mit den sozialen Netzwerken umzugehen. IHR müsst nicht eure privatesten Informationen freigeben. IHR entscheidet ob ihr eure Freunde und guten Bekannte hinzufügt. IHR entscheidet wieviel Zeit ihr am PC verbringt. IHR seid jemand! Wenn ihr euch verführen lasst ist das mehr als schwach! Seid euch selbst bewusst!”

Das, worüber sich der Artikel und die darin zitierten Beschwerden aufregen, hingegen, ist ein absolutes Nichtargument: daß Leute scheinbar zu dumm sind, von irgendwelchen Sachen zu trennen, die sie online machen, und was ihr echtes Leben angeht. Niemand schreibt einem vor, wer ein „Freund“ zu sein hat, obwohl sich drüber beschwert wird. Wer bei Facebook Stundenlang rumklicken kann, daß es zum Problem wird, der wird auch sonst im Leben Probleme haben, irgendwelchen trivialen Süchten zu widerstehen.

Wer sich von Worten anderer sein eigenes Verhalten unreflektiert vorschreiben lässt, der hat das Internet einfach nicht verstanden.


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